Deep dive: Man Box 4: Warum starre Geschlechterrollen in Familie und Haushalt alle verlieren lassen
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WeiterlesenDu musst gut aussehen. Aber du darfst dich nicht zu sehr darum bemühen. Diesen Widerspruch kennen viele Männer – auch wenn sie ihn nicht in Worte fassen. Die Equimundo-Studie ‚The Man Box‘ hat ihn als dritte Säule der Männlichkeit identifiziert: Körper und Aussehen. Und sie ist eine der heimtückischsten Anforderungen, weil sie Männer in eine Situation bringt, aus der es kein Entkommen gibt.
Die Studie ist klar: Es ist sehr schwer für Männer, erfolgreich zu sein, wenn sie nicht gut aussehen. Gleichzeitig gilt: Wer sich zu sehr um sein Aussehen kümmert – um Kleidung, Haare, Haut – ist nicht männlich. Das Ergebnis: ein Widerspruch, der keine Auflösung kennt. Männer sollen eine Leistung erbringen, dürfen aber nicht zeigen, dass sie daran arbeiten.
Dazu kommt ein Faktor, den niemand beeinflussen kann: Körpergröße. Studien belegen, dass größere Männer häufiger ernst genommen werden, eher Dates bekommen und im Beruf bevorzugt werden – unabhängig von Qualifikation. Auf digitalen Datingmärkten wird dieser Effekt noch einmal verstärkt: Körperlichkeit wird zum Filtermerkmal. Für Männer, die diese Anforderung nicht erfüllen, ist das eine Botschaft, die sie nicht verdient haben und die sie nicht ändern können.
Ein wachsender Trend verstärkt den Druck: Gym-Kultur. Die Erwartung, möglichst definierte Muskeln und viel Muskelmasse zu haben, wird gesellschaftlich immer normaler – und immer ungesunder. Männer betreiben Raubbau am eigenen Körper durch schädigende Trainingsprogramme und gefährliche Ernährungspläne. Das Ziel ist nicht mehr Gesundheit, sondern ein Körperbild, das gesellschaftliche Anforderungen erfüllt.
Die Folge: Körperdysmorphie, auch Muskeldysmorphie oder ‚Bigorexie‘ genannt. Das ist eine krankhafte Beziehung zum eigenen Körper, bei der Betroffene ihren eigenen Körper nicht so sehen, wie er ist – sondern das Gefühl haben, immer noch zu schwach, zu dünn oder zu schmächtig zu sein, egal wie viel Muskelmasse sie bereits aufgebaut haben. Diese Störung betrifft Männer deutlich häufiger als bisher angenommen – und wird selten offen besprochen.
Der Druck, möglichst schnell möglichst muskuloes auszusehen, führt viele Männer zu anabolen Steroiden. Die Konsequenzen sind gravierend: langfristige, teilweise irreversible Schäden am Hormonhaushalt, die eine dauerhafte Abhängigkeit von Hormonpräparaten nach sich ziehen. Männer, die diesen Weg gehen, tun das oft in dem Wissen, dass es schädlich ist – weil der gesellschaftliche Druck, so auszusehen, größer ist als die Angst vor den Folgen.
Auf der anderen Seite des Doppelstandards: Männer dürfen sich nicht zu sehr ausdrücken. Während Frauen ein breites Spektrum an Kleidung, Styling und Makeup zur Verfügung steht, steckt Männlichkeit in engen Grenzen. Feminine Kleidung, auffälliges Styling oder Makeup bei Männern wird mit Irritation, Kommentaren oder Ablehnung quittiert. Das Ergebnis: Männer können sich nicht so präsentieren, wie sie wirklich wollen – weder in die eine noch in die andere Richtung.
Beide Trends – der Druck, möglichst muskuloes und attraktiv auszusehen, und die gleichzeitige Einschränkung bei Styling und Selbstausdruck – führen zu einem ungesunden, teilweise körperlich schädlichen Selbstbild. Wer sich von diesen Anforderungen löst, gewinnt: mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung und einen gesunden Umgang mit dem eigenen Körper. White Ribbon Österreich arbeitet daran, genau diese Gespräche zu ermöglichen – damit Männer nicht länger einem Bild nachjagen, das niemand wirklich erfüllen kann.
White Ribbon ist die weltgrößte Bewegung von Männern und Burschen gegen Gewalt an Frauen. In Österreich setzt White Ribbon auf Prävention durch Workshops, Kampagnen und Bildungsarbeit in Schulen, Unternehmen und Sportverbänden. Mehr Infos unter www.whiteribbon.at
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