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Deep Dive: Man Box 2: Warum das ständige Performen von Stärke Männer isoliert und gefährdet

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Stell dich nicht so an. Ein richtiger Mann hat keine Angst. Reiss dich zusammen. Diese Sätze kennen fast alle Männer. Sie sind Teil einer tief verankerten Erwartung, die die Equimundo-Studie The Man Box als zweite Saule der Männlichkeit identifiziert hat: Männer sollen immer Stärke zeigen, koste es was es wolle.

Was die Man Box über Stärke sagt

Die Studie formuliert es klar: Männer, die sich nicht wehren, wenn man ungut zu ihnen ist, gelten als schwach. Und: Männer sollen stark spielen und stark wirken, selbst wenn sie Angst haben oder erschöpft sind. Diese Anforderung klingt zunächst nach bloßer Coolness. In der Praxis bedeutet sie aber: Gefühle verstecken, Schwäche niemals zeigen, Angst ignorieren, egal in welcher Situation.

Angst ist kein Fehler, sie ist Information

Angst ist ein Überlebensinstinkt. Unser Nervensystem sendet sie als Signal, wenn eine Situation gefährlich, riskant oder belastend ist. Dieses Signal zu ignorieren ist nicht mutig, es ist gefährlich. Wer trainiert wird, die eigene Angst wegzudrücken, verliert mit der Zeit den Zugang zu einem der wichtigsten Informationssysteme, das wir haben. Die Fähigkeit, Angst zu spüren, zu benennen und darauf zu reagieren, ist keine Schwäche. Sie ist eine der Grundvoraussetzungen für gute Entscheidungen.

Wenn Stärke-Performen zur Gefahr wird

Junge Männer legen überproportional häufig riskantes Verhalten an den Tag, und das ist kein Zufall. Der Druck, vor Freunden keine Angst zu zeigen, führt dazu, dass objektiv gefährliche Situationen nicht als solche benannt werden. Kein Helm, weil das uncool wirkt. Kein Abbremsen, weil das Schwäche signalisiert. Keine Nachfrage beim Arzt, weil das bedeutet, etwas stimmt nicht. Männer sterben häufiger durch Unfälle und riskantes Verhalten als Frauen, und der gesellschaftliche Druck, Stärke zu performen, ist einer der Faktoren dahinter.

Was Stärke-Performen mit Freundschaften macht

Es gibt eine Art von Männerfreundschaft, die viele kennen: Man macht Dinge zusammen, man lacht, man redet über Sport, Arbeit, den Alltag. Aber wenn es wirklich schwierig wird, wenn man Angst hat, traurig ist, nicht mehr kann, dann schweigt man. Weil man nicht weiß, wie der andere reagiert. Weil man Bestrafung fürchtet: Auslachen, Abwertung, Distanz. Diese Freundschaften bleiben zwangsläufig an der Oberfläche, nicht weil die Menschen sich nicht mögen, sondern weil die Anforderung, Stärke zu performen, echte Tiefe strukturell verhindert.

Der Teufelskreis: Wenn alle schweigen

Das besonders Tückische an dieser Anforderung: Sie funktioniert durch gegenseitigen Druck. Wenn ich nicht sage, dass ich Angst habe, setzt das meinen Freund unter Druck, das auch nicht zu sagen. Wenn niemand sagt, dass eine Situation gefährlich ist, macht trotzdem jeder mit. Die Gruppe wird zum Verstärker der Anforderung, nicht weil alle es so wollen, sondern weil alle schweigen und jeder annimmt, die anderen empfinden es anders.

Was Männer gewinnen, wenn sie Angst zeigen

Wer aufhört, immer stark wirken zu müssen, gewinnt zunächst etwas Unerwartetes: Glaubwürdigkeit. Menschen, die auch Schwäche zeigen können, werden als authentischer wahrgenommen, nicht als schwächer. Dazu kommt der Zugang zu Freundschaften, die wirklich tragen, Freundschaften, in denen man auch dann da ist, wenn es schwierig wird. Und schließlich: bessere Entscheidungen. Wer seine Angst als Information nutzt statt sie zu ignorieren, handelt umsichtiger und schützt sich.

White Ribbon ist die weltgrößte Bewegung von Männern und Burschen gegen Gewalt an Frauen. In Österreich setzt White Ribbon auf Prävention durch Workshops, Kampagnen und Bildungsarbeit in Schulen, Unternehmen und Sportverbänden. Mehr Infos unter www.whiteribbon.at
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