Deep dive: Man Box 4: Warum starre Geschlechterrollen in Familie und Haushalt alle verlieren lassen
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WeiterlesenEin schwuler Mann ist kein echter Mann. Diese Aussage aus der Equimundo-Studie „The Man Box“ klingt zunächst nach einem veralteten Vorurteil. Aber sie beschreibt eine Realität, die bis heute wirksam ist: Homosexualität und Männlichkeit gelten in manchen Teilen der Gesellschaft als unvereinbar. In der fünften Folge unserer Man-Box-Serie schauen wir uns an, was diese Anforderung wirklich bedeutet – und wen sie verletzt.
Die Studie ist präzise: Ein schwuler Mann gilt in der Man Box nicht als echter Mann. Gleichzeitig erkennt die Studie an, dass heterosexuelle Männer befreundet mit schwulen Männern sein können – und dass das normal ist. Diese Spannung zeigt, wie die Anforderung wirklich funktioniert: nicht als persönlicher Hass auf Individuen, sondern als systemische Regel darüber, was Männlichkeit bedeutet und was sie ausschließt.
Um Homophobie in der Man Box zu verstehen, müssen wir uns ansehen, was auf der „anderen Seite“ von Männlichkeit steht: Weiblichkeit. In unserer binär organisierten Gesellschaft werden Eigenschaften und Verhaltensweisen entweder als männlich oder als weiblich markiert – obwohl diese Zuordnung sozial konstruiert ist und in anderen Kulturen oder Epochen ganz anders aussieht. Was als unmännlich gilt, wird abgewertet. Und schwul sein gilt als „Vorstufe zum Mädchen sein“. Im Grunde lässt sich die gesamte Man Box auf einen Satz reduzieren: Sei kein Mädchen.
Wenn Männer sich für die „falsche“ Musik interessieren, sich falsch kleiden oder zu emotional sind, kommt eine Frage fast automatisch: Bist du ein Mädchen? Oder: Bist du schwul? Diese beiden Fragen sind austauschbar. Homosexualität wird nicht als sexuelle Orientierung wahrgenommen, sondern als Abweichung von der Männlichkeitsnorm. Wer als schwul gilt oder bezeichnet wird, hat die Grenze überschritten – unabhängig davon, wen er tatsächlich liebt.
Neben der Homophobie ist in den letzten Jahren eine weitere Form der Ablehnung stärker geworden: Transphobie, insbesondere die Ablehnung von trans Frauen. Wenn die gesamte Man Box darauf aufgebaut ist, kein Mädchen zu sein, dann gilt der größte „Verrat“ an der Männlichkeit jenen, die gar kein Mann sein wollen. Trans Frauen – Menschen, die bei der Geburt dem männlichen Geschlecht zugeordnet wurden und sich als Frauen identifizieren – erfahren statistisch die meiste Gewalt in unserer Gesellschaft. Und diese Gewalt hat viel damit zu tun, dass Männer, die in ihrer eigenen Männlichkeit unsicher sind, mit enormer Aggression auf jene reagieren, die diese Männlichkeit verweigern.
Der zentrale Schaden liegt nicht nur in dem, was queeren Menschen angetan wird. Er liegt auch darin, was heterosexuelle Männer sich selbst antun. Wer Empathie, Verletzlichkeit, Fürsorge oder ästhetisches Interesse als unmmännlich abtut und unterdrückt, beschneidet seine eigene menschliche Erfahrung. Er schließt sich selbst von einem großen Teil des Lebens aus. Er wird enger, starrer, einsamer – und er wählt das nicht wirklich: er wurde so sozialisiert.
Die Realität widerlegt das Man-Box-Bild zunehmend: Viele der erfolgreichsten und einflussreichsten Männer der Welt sind schwul – und wirken gleichzeitig maskulin, souverän und respektiert. Die Idee, dass Homosexualität Männlichkeit ausschließt, ist empirisch falsch. Sie ist eine soziale Konstruktion – eine, die Männern schadet, queeren Menschen schadet und die Gesellschaft insgesamt einschränkt.
Die fünfte Säule der Man Box handelt nicht wirklich von Homosexualität. Sie handelt davon, was als wertlos gilt – und warum. Sie handelt von der Angst, als unmännlich zu gelten, und von der Gewalt, die entsteht, wenn diese Angst auf andere projiziert wird. White Ribbon Österreich arbeitet dafür, dass Männer diese Anforderungen hinterfragen können – für ein Leben, das bunter, freier und menschlicher ist.
White Ribbon ist die weltgrößte Bewegung von Männern und Burschen gegen Gewalt an Frauen. In Österreich setzt White Ribbon auf Prävention durch Workshops, Kampagnen und Bildungsarbeit in Schulen, Unternehmen und Sportverbänden. Mehr Infos unter www.whiteribbon.at
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