Deep dive: Man Box 4: Warum starre Geschlechterrollen in Familie und Haushalt alle verlieren lassen
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WeiterlesenEr ist Österreichs bekanntester Fahrlehrer auf Social Media. Niko, besser bekannt als Fahrlehrer Niko, hat Hunderttausende mit humorvollen Videos aus dem Alltag des Fahrenlernens begeistert. Aber wer steckt hinter der Person? Im Gespräch mit Simon von White Ribbon Österreich gibt Niko ungewohnt tiefe Einblicke – und spricht zum ersten Mal öffentlich über ein Thema, das er bisher für sich behalten hat.
Nikos Geschichte beginnt im 20. Bezirk in Wien. Alleinerziehende Mutter, jüngerer Bruder – kein Vater im Bild. Aber Niko betont: Es hat uns an nichts gefehlt. Seine Mutter übernahm beide Rollen, arbeitete als Reinigungskraft und in der Gastronomie, schleppte die Kinder mit, wenn es sein musste. „Wenn ich heute zurückdenke und mich frage, hätte ich das selbst so geschafft? Das ist schon ein Zeichen von Stärke.“ Diese frühe Erfahrung von Selbstständigkeit prägte ihn nachhaltig: kein Druck, männliche Rollenbilder zu erfüllen. Kein Vorbild, dem er nächsteifern musste. Und genau das, so Niko, war vielleicht sein größter Vorteil.
Seit er zehn Jahre alt war, hat Niko denselben engen Freundeskreis. Männer, die bis heute zusammen brettspiele spielen, sich gegenseitig beim Umziehen helfen und Wohnungsschlüssel tauschen. Das Besondere: Bei ihnen gab es nie Tabus. Sexualität, Unsicherheiten, Verluste, Beziehungsprobleme – alles war Thema. Vertrauen war von Anfang an die Basis, nicht Blutsverwandtschaft. „Blut verbindet? Das ist für mich Quatsch. Es zählt, was man miteinander erlebt hat und ob man sich aufeinander verlassen kann.“ Diese Art von Freundschaft ist keine Selbstverständlichkeit – und Niko weiß das.
Auf die Frage, ob sein Übergewicht in der Jugend ein Thema war, antwortet Niko klar: Gar nicht. „Wenn du dich wohl fühlst und das deinem Umfeld ausstrahlst, wird man dich akzeptieren.“ Er spielte Fußball, trainierte American Football – und wurde beim Probetraining direkt in die erste Mannschaft aufgenommen. Körperbild als Hindernis für Selbstbewusstsein? In Nikos Welt ein Konzept, das er nie verinnerlicht hat.
Fahrlehrer sein ist für Niko nicht Beruf, sondern Berufung. Die soziale Komponente, die beim HTL-Maschinenbau gefehlt hatte, findet er im Auto neben seinen Schülerinnen und Schülern: Menschen aus allen Kulturen, allen Altersgruppen, allen Lebenslagen. „Ich sitze neben jemandem mit einer ganz anderen Geschichte und lerne genauso viel von ihr oder ihm wie umgekehrt.“ Sein Prinzip: Auf Augenhöhe, nicht autoritär. Wer sich unwohl fühlt, lernt nicht. Und wer zahlt, darf auch einfordern, respektvoll behandelt zu werden. Kein Körperkontakt, keine überschrittenen Grenzen – für Niko keine Diskussion.
Zum ersten Mal in einem öffentlichen Format spricht Niko darüber: Er ist Stiefvater. Zwei Jungs, drei und eineinhalb Jahre alt, als er sie kennenlernte. Windeln wechseln, Minecraft spielen, gemeinsame Abende – für ihn macht die biologische Frage keinen Unterschied. „Das habe ich eigentlich noch nie öffentlich gesagt. Für mich macht das keinen Unterschied.“ Haushalt und Erziehung teilt er mit seiner Frau – nicht nach starren Rollen, sondern nach dem, was anfalle und was sinnvoll sei.
Ein Auto als Statussymbol? Männliche Bucket Lists mit Haus, Baum und Gefängnisaufenthalt? Niko hält von all dem wenig. „Sobald du den Punkt erreichst, an dem du scheiß auf das gibst, was andere sagen – dann wirst du anfangen, glücklich zu sein.“ Für ihn war das der frühe Punkt – nicht trotz, sondern wegen seiner Herkunft. Keine Erwartungen von außen, die er erfüllen musste. Kein Rollenbild, dem er nachzueifern hatte. Und genau das gibt ihm heute die Freiheit, sein Leben zu gestalten wie er es möchte.
Nikos Abschlussstatement ist so einfach wie es ist: Miteinander reden. Eine Übung aus einer Billa-Schulung hat er nie vergessen: Jeder zeichnet einen Baum – und keiner schaut gleich aus. Aber durch Kommunikation findet man einen gemeinsamen Nenner. Im Fahrstuhl, in der Familie, in der Gesellschaft. Niko ist Fahrlehrer, Stiefvater, Freund und Social-Media-Persönlichkeit. Aber vor allem ist er jemand, der verstanden hat: Echte Verbindung entsteht durch echtes Gespräch – nicht durch Statussymbole.
White Ribbon ist die weltgrößte Bewegung von Männern und Burschen gegen Gewalt an Frauen. In Österreich setzt White Ribbon auf Prävention durch Workshops, Kampagnen und Bildungsarbeit in Schulen, Unternehmen und Sportverbänden. Mehr Infos unter www.whiteribbon.at
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