Erklär amal: Man Box 6: Hypersexualität – Warum der Druck, immer zu wollen, Männer und Frauen gleichermaßen schädigt
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Ein echter Mann würde niemals Nein sagen zu Sex. Ein echter Mann sollte so viele Sexualpartnerinnen wie möglich haben. So beschreibt die Equimundo-Studie „The Man Box“ die sechste Säule der Männlichkeit: Hypersexualität. Zwei Anforderungen, die auf den ersten Blick wie Aussagen über Sexualität klingen – die aber in Wirklichkeit tiefe Konsequenzen für Männer, für Frauen und für das Miteinander haben.
Was die Man Box über männliche Sexualität sagt
Die Studie zu Männlichkeitsanforderungen ist eindeutig: Männer sollen immer Sex haben wollen und immer bereit sein, Sex zu haben. Gleichzeitig sollen sie so viele Partnerinnen wie möglich sammeln. Beide Anforderungen sind keine positiven Beschreibungen einer erfüllten Sexualität – sie sind Verbote in Verkleidung: Ein Mann darf nicht Nein sagen. Ein Mann darf nicht wenig haben.
Das biologische Problem: Immer wollen ist nicht möglich
Biologisch ist dieser Anspruch schlicht nicht erfüllbar. Menschen – Männer eingeschlossen – sind keine Maschinen. Lust, Erregung und sexuelles Verlangen sind situationsabhängig, schwankend, und von einer Vielzahl an Faktoren abhängig: Stress, Erschöpfung, emotionale Verbindung, körperliches Wohlbefinden. Viele Männer erinnern sich an ihr erstes Mal – und daran, wie schambesetzt es war, wenn etwas nicht funktionierte. Diese Scham ist keine individuelle Schwäche. Sie ist das direkte Produkt einer Anforderung, die von Anfang an unrealistisch ist.
Eigene Grenzen überschreiten – und dann die Grenzen anderer nicht spüren
Der Anspruch, immer bereit zu sein, führt dazu, dass Männer lernen, ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu ignorieren. Wer die eigenen inneren Signale dauerhaft überschreibt, verliert die Fähigkeit, sie wahrzunehmen. Und wer die eigenen Grenzen nicht mehr spürt, dem fällt es zunehmend schwerer, die Grenzen anderer zu erkennen. Das ist kein zufälliger Zusammenhang: über 90 Prozent aller sexuellen Übergriffe werden von Männern begangen. Die Opfer sind sowohl Frauen als auch Männer. Und die Sozialisierung hin zur Hypersexualität – das Gefühl, immer wollen zu müssen und zu dürfen – spielt dabei eine zentrale Rolle.
Das Trophäen-Denken: Wenn Begegnungen zu Punkten werden
Die zweite Anforderung – so viele Partnerinnen wie möglich zu haben – verwandelt menschliche Begegnungen in ein Zählspiel. Nicht eine Aneinanderreihung schöner, bedeutungsvoller Erlebnisse, sondern eine Sammlung von Trophäen. Wer mit zwei Personen etwas hatte, gilt als Verlierer. Wer mit hundert etwas hatte, ist der Mann schlechthin. Dieses Denken schadet nicht nur Männern – es setzt Frauen permanent unter Druck und in die Defensive: als potenzielles Ziel, nicht als Gegenüber auf Augenhöhe. Und es nimmt Männern die Möglichkeit, echte, schöne Begegnungen zu erleben – weil jede Begegnung nur ein weiterer Punkt auf dem Konto ist.
Das Gespräch, das wir nie führen: Erfüllte männliche Sexualität
Was in der gesellschaftlichen Debatte fast vollständig fehlt: die Frage danach, wie erfüllte männliche Sexualität eigentlich aussieht. Wenn über männliche Sexualität gesprochen wird, passiert das entweder im Modus des Wettbewerbs (wie viele, wie schnell, wie erfolgreich) oder im Modus der Kritik (wie übergriffig, wie gefährlich). Was fehlt, ist die Frage: Was ist schön? Was ist erfüllend? Was möchte ich wirklich? Und wovon möchte ich mich distanzieren? Diese Fragen können erst gestellt werden, wenn der Hypersexualitäts-Druck wegfällt.
Fazit: Hypersexualität schadet allen
Die sechste Säule der Man Box ist kein Thema, das nur Männer betrifft. Der Druck, immer zu wollen und immer zu können, schadet der Gesundheit von Männern. Das Trophäen-Denken schadet Frauen und der Qualität aller Begegnungen. Und die Unfähigkeit, eigene Grenzen zu spüren, ist einer der Faktoren, die sexuelle Übergriffe begünstigen. White Ribbon Österreich setzt sich dafür ein, dass Männer diese Anforderungen hinterfragen können – für eine Sexualität, die selbstbestimmt, auf Augenhöhe und wirklich erfüllend ist.
.White Ribbon ist die weltgrößte Bewegung von Männern und Burschen gegen Gewalt an Frauen. In Österreich setzt White Ribbon auf Prävention durch Workshops, Kampagnen und Bildungsarbeit in Schulen, Unternehmen und Sportverbänden. Mehr Infos unter www.whiteribbon.at 👉 Abonniere hier unseren Kanal, um keine weitere Folge zu verpassen.
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