„Euphoria“ – Wie Väter Gewalt an Söhne weitergeben
Euphoria über Intergenerationelle Konflikte: Wenn Scham zu Gewalt wird
WeiterlesenPeaky Blinders liefert diese Momente, die begeistern: Mantel, Blick, Team – und dann der Gang in die Konfrontation. In der aktuellen Folge von „Schau ma’ mal“ reagiert Sozialarbeiter Simon Březina auf eine Szene zum Abschluss der ersten Staffel, in der zwei bewaffnete Gruppen aufeinander zugehen. Simon nennt es „objektiv völliger Wahnsinn“ – und erklärt gleichzeitig, warum es trotzdem beeindruckend wirkt.
Simon spricht einen Punkt an, den viele unterschätzen: Manche Männer stellen sich vor, am liebsten in einem letzten Akt zu sterben – als „letzter Stand“, als Schutz für die eigenen Leute. Szenen wie diese füttern genau diese Fantasie: „Wir rennen nicht weg. Wir stellen uns der Übermacht.“
Das Problem ist nicht die Sehnsucht nach Bedeutung. Die Frage ist eher: Wofür riskierst du dich – und welche Alternativen gäbe es, Bedeutung zu spüren, ohne dass es eskaliert?
Im Kontext der Serie geht es um kriminelle Geschäfte und Macht. Simon sagt klar: Das ist ein Suchen nach dem Tod „für nichts und wieder nichts“. Und das ist ein hilfreicher Blick für den Alltag: Adrenalin kann Konflikte aufblasen, bis sie größer wirken, als sie sind.
Option: Wenn du merkst, dass du „hochfährst“, kann ein kurzer Check helfen: „Was ist der reale Schaden, wenn ich jetzt nicht eskaliere?“ – und „Was ist der reale Schaden, wenn ich es tue?“
Simon erzählt eine Beobachtung aus Gesprächen mit Burschen: Niemand hat je eine Schlägerei begonnen – es waren immer die anderen. Und niemand hat je verloren – man war immer „allein gegen viele“. Das ist oft kein bewusstes Lügen, sondern ein Muster: Wir bauen uns Erzählungen, in denen wir gerecht handeln konnten.
Simon macht einen wichtigen Unterschied auf: Es gibt Situationen, in denen Selbstverteidigung legitim sein kann. In der Szene geht es aber eher um Kräftemessen und Dominanz – mit potenziell tödlichen Folgen.
Simon bleibt an einem Detail hängen: Die Frau ist nicht dabei und wartet – „besonders klassisch“ in der Küche. Die Bildsprache ist deutlich: Gefahr und Handlung werden Männern zugeschrieben, Warten und Versorgung Frauen. Spannend ist Simons Gedanke: Wenn es sowieso um Waffengewalt geht, warum wird dann Kompetenz nicht einfach genutzt, egal welches Geschlecht?
Der Triumph-Moment, wenn ein Freund „doch noch“ zur Gruppe steht, öffnet ein großes Thema: Loyalität. Simon findet Loyalität wichtig – und wird gleichzeitig skeptisch, weil Loyalität Menschen manchmal in Situationen zieht, in denen sie ohne den Gruppendruck nie wären.
Ein Kernpunkt der Folge: Viele eskalieren aus Angst vor Gesichtsverlust. „Wer bin ich, wenn ich nicht zu meinen Leuten stehe?“ Simon betont: Viele Situationen kann man deeskalieren, ohne dass jemand sein Gesicht verliert – aber dafür braucht es Sprache und einen Plan.
Die Intervention mit dem Kinderwagen reframed den ganzen Moment: Plötzlich geht es nicht um Triumph, sondern um Kosten. Simon nennt das eine schöne Art, den Konflikt in einen neuen Kontext zu setzen: Was bedeutet das für Familien? Für Kinder? Für Leben, die nach so einem Moment nicht einfach „weiterlaufen“?
White Ribbon setzt sich für Gewaltprävention, Respekt und Gleichstellung ein. Wenn dich Themen wie Loyalität, Konflikte oder Gruppendruck beschäftigen: Du kannst mit einem nächsten machbaren Schritt anfangen – und dir Unterstützung holen, wenn’s hilfreich ist.
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